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KEP-Dienste in Österreich 2021

 

Paketmarkt Österreich: 300 Millionen Stück in Reichweite

Der Lockdown im Einzelhandel bescherte dem Paketgeschäft in Österreich im letzten Jahr einen gehörigen Schub. Sofern der Einzelhandel im laufenden Jahr nicht nochmals schließen muss, ist für 2021 jedoch mit einer Marktkonsolidierung zu rechnen, zeigen aktuelle Daten einer Marktstudie zu Paketdiensten in Österreich des Marktforschungsinstituts BRANCHENRADAR.com Marktanalyse.

[ÖSTERREICH | 9. Februar 2021] Wenngleich Österreich im Jahr 2020 in eine tiefe Rezession schlitterte, hat sich im Coronajahr am Markt für Kurier-, Express- und Paket-Dienste (KEP) der Wachstumstrend der letzten Jahre substanziell beschleunigt. Laut aktuellem BRANCHENRADAR KEP-Dienste in Österreich stieg die Anzahl der transportierten Pakete um 16,7 Prozent gegenüber Vorjahr auf nunmehr 287,1 Millionen Stück. Im Vergleich zum Jahr davor erhöht sich damit die Paketanzahl um knapp 41,2 Millionen Stück. Das überdurchschnittlich starke Wachstum kam allerdings primär aus der zweiten Jahreshälfte (vor allem aus dem Weihnachtsgeschäft), lag doch laut Post-Monitor der RTR der Zuwachs im ersten Halbjahr lediglich bei plus 9,3 Prozent, einschließlich dem dritten Quartal jedoch bereits bei knapp plus 14 Prozent gegenüber Vorjahr.

Angeschoben wurde der Markt im vergangenen Jahr allerdings ausschließlich vom B2C-Geschäft. Im mittlerweile größten Kundensegment wuchs die Paketanzahl um nahezu ein Drittel (+31,1% geg. VJ) auf insgesamt 185,2 Millionen. Der steile Anstieg war nicht zuletzt die Folge der gesetzlich normierten mehrwöchigen Schließung des stationären Einzelhandels sowie der verordneten Präventions-maßnahmen (Abstandregeln, Maskenpflicht etc.), die vielen Konsumenten die Lust auf einen Einkauf im terrestrischen Sektor nahmen. Das ebenso fehlende Gastronomieangebot tat ein Übriges. Zudem führten die Lockdowns im Einzelhandel mancherorts zu Liquiditätsengpässen, wodurch man speziell im Weihnachtsgeschäft zu wenig Ware vorrätig hielt (insbesondere im Bekleidungssektor) und der Einkauf dann schlussendlich wieder online erfolgen musste. Befeuert wurde das B2C-Geschäft jedoch nicht alleine durch vermehrte Bestellungen im Versand- und Onlinehandel. Vielmehr trug auch ein überdurchschnittlich starkes Wachstum bei Retouren-Paketen sowie von Teillieferungen vonseiten der Versandhändler zur außergewöhnlich starken Performance bei. Im Detail entwickelten sich die Teilsegmente im Jahr 2020 wie folgt: Das Volumen an Versandpaketen erhöhte sich um 27,1 Prozent gegenüber Vorjahr auf 139,1 Millionen Stück. Der Anteil der Volllieferungen sank allerdings auf 55,6 Prozent, wodurch sich die Teillieferungen um 32,3 Prozent gegenüber Vorjahr auf 61,8 Millionen Pakete erhöhten. Nicht zuletzt durch die massive Verlagerung der Einkäufe von Modewaren ins Internet wuchs allerdings kein Segment rascher als Retouren-Pakete. Im Vergleich zu 2019 erhöhte sich die Paketanzahl um 44,5 Prozent auf 46,1 Millionen. Damit war fast jedes vierte transportierte Paket eine Rücksendung. Zudem wuchs auch die Anzahl der C2C-Pakete moderat um zwei Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 10,1 Millionen Pakete.

Die schrumpfende Gesamtwirtschaft, insbesondere die Kontraktion der Sachgütererzeugung und des Außenhandels, wirkte sich daher erwartungsgemäß nur auf die Nachfrage im B2B-Geschäft negativ aus. Im Jahr 2020 sank das Paketvolumen um 3,1 Prozent gegenüber Vorjahr auf 91,8 Millionen Stück. Dass die Kontraktion am B2B-Paketmarkt geringer ausfiel als im Konjunkturverlauf, führen wir im Wesentlichen auf den Umstand zurück, dass auch die gewerbliche Beschaffung verstärkt in den Onlinehandel verlagert wurde, wobei die Coronakrise hier wohl als Kraftverstärker fungierte.

Marktkonsolidierung 2021?
Die anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Konjunkturentwicklung als Folge von temporär verschärften Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und wiederholten Lockdowns erschweren halbwegs valide Prognosen auch für den gegenständlichen Markt enorm. Unter der Annahme, dass der stationäre Handel Anfang Februar und das Gastgewerbe bis längstens Anfang März wieder öffnen, die Lockerungsschritte nicht mehr zurückgenommen werden und bis zum Sommer eine weitgehend „barrierefreie“ Bewegungsfreiheit wieder hergestellt wird, erwartet BRANCHENRADAR.com Marktanalyse im laufenden Jahr am Gesamtmarkt eine Konsolidierung der Nachfrage bei 281 Millionen Paketen (-2,1% geg. VJ) und erst im Folgejahr (2022) wieder ein kräftiges Wachstum auf rund 300 Millionen Stück (+6,8% geg. VJ). Der leichte Rückgang im heurigen Jahr ist nahezu zur Gänze im B2C/C2C-Geschäft (-4,0% geg. VJ) verortet, zumal nicht anzunehmen ist, „dass der Versandhandel, trotz wieder verfügbaren terrestrischen Angebots, ungebremst wächst. Vielmehr gehen wir davon aus, dass der stationäre Einzelhandel – nicht zuletzt aufgrund des zu erwartenden kurzfristigen Jo-Jo-Effekts – wieder Marktanteil zurückgewinnt, insbesondere in onlineaffinen Warengruppen wie Mode, Elektro, Sportartikel und Bücher“, so Studienautor Andreas Kreutzer.

Im B2B-Geschäft (+2,0% geg. VJ) rechnet Kreutzer hingegen – im Zuge der Konjunkturerholung – mit wieder leicht steigenden Mengen. Für 2022 ist der Ausblick für beide Geschäftsbereiche positiv. Das B2B-Paketvolumen erhöht sich voraussichtlich auf 97 Millionen Stück (+3,6% geg. VJ), am B2C/C2C-Markt wird ein Anstieg um gut acht Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 203 Millionen Pakete erwartet. In diesem Fall läge die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate zwischen 2019 und 2022 im B2C /C2C-Segment bei rund zehn Prozent bzw. einem jährlichen Zuwachs von 17 Millionen Paketen. Das entspricht dem durchschnittlichen Wachstumsbeitrag pro Jahr der Jahre 2017 bis 2019.

 

Quelle: BRANCHENRADAR KEP-Dienste in Österreich 2021