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Bauwirtschaft schrumpft das 5. Jahr in Folge

Bauwirtschaft schrumpft das 5. Jahr in Folge

Die österreichische Bauwirtschaft steckt seit Jahren in der Krise. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass bislang im Wesentlichen nur der schwache Wohnbau die Branche nach unten zog.

[Wien | 27. Oktober 2026] Zwischen 2020 und 2026 erhöhte sich der Bauproduktionswert (BPW) im Hoch- und Tiefbau um 22 Prozent auf zuletzt prognostizierte € 70,8 Mrd. Preisbereinigt ist die Lage weitaus negativer. Die Nachfrage sank seit 2021 weitgehend konstant, kumuliert liegt die Branche heuer vermutlich um gut 12 Prozent unter dem Niveau von 2020. „Das bedeutet: Die Bauwirtschaft schrumpft heuer voraussichtlich das 5. Jahr in Folge“, sagt Andreas Kreutzer von BRANCHENRADAR Marktanalyse. Die erhebliche Differenz zwischen nominaler und realer Entwicklung erklärt sich durch die massiven Preissteigerungen der letzten Jahre. Insgesamt erhöhten sich die Baupreise für den Hoch- und Tiefbau zwischen 2020 und 2025 um ein Drittel, im Hochbau um 38 Prozent, im Tiefbau um 26 Prozent, wobei der Anstieg vor allem aus Preissprüngen in den Jahren 2021 bis 2023 resultierte. Angeschoben wurde die Teuerung zuerst von höheren Materialpreisen, danach auch von steigenden Personalkosten infolge der Abgeltung der Inflation im Rahmen der KV-Verhandlungen.

Der Rückgang war bis 2025 alleine auf den Hochbau zurückzuführen, der real um 16 Prozent erodierte. Innerhalb des Hochbaus war es praktisch zur Gänze der Wohnbau, der für das Minus verantwortlich zeichnete. Der Wohnungsneubau brach real um 30 Prozent, die Renovierung im Wohnbau um real 14 Prozent ein. Der Nicht-Wohnbau entwickelte sich hingegen weitgehend stabil. Und der Tiefbau wuchs substanziell um real 12 Prozent. „Auch im laufenden Jahr schrumpft die Bauproduktion preisbereinigt voraussichtlich nochmals um drei Prozent, wobei der Rückgang abermals ausschließlich vom Hochbau kommt. Der Tiefbau wächst indessen konstant um real zwei Prozent“, prognostiziert Kreutzer.

Versorgung mit ausreichend Wohnraum in Gefahr?
Der Rückgang im Wohnungsneubau war die Folge eines Einbruchs bei den Neubaugenehmigungen. Zwischen 2020 und 2025 reduzierte sich die Anzahl der zum Bau freigegebenen Wohneinheiten um mehr als die Hälfte. Das Bittere dabei ist, dass dieser Rückgang bislang noch gar nicht zur Gänze in der Bauwirtschaft angekommen ist. Denn die Baubeginne sanken im selben Zeitraum „nur“ um 42 Prozent, die Baufertigstellungen um 34 Prozent. Und für heuer rechnet BRANCHENRADAR Marktanalyse mit einem Rückgang der Wohnbaugenehmigungen um nochmals rund fünf Prozent gegenüber Vorjahr.

Die negative Entwicklung hat mehrere Ursachen. Zum einen schossen die Bewilligungszahlen in den Jahren vor 2020 über den Wohnungsbedarf für Hauptwohnsitze hinaus. Im Jahr 2011 wurden noch 12,9 Wohneinheiten (WE) je 1.000 Privathaushalte genehmigt, 2017 waren es 18,5. Erklären lässt sich das mit dem damaligen Run auf „Betongold“ infolge der Zinspolitik der EZB, dem Bau von touristischen Apartmenthäusern, die als Wohngebäude eingereicht wurden sowie mit einer vermehrten Anzahl an Nebenwohnsitzen. „Dass es deshalb irgendwann zu einer Konsolidierung des Hype kommen musste, war schon damals klar“, betont Kreutzer. „Mittlerweile hat man aber ein Niveau erreicht, das in der Tat die Sorge wachsen lässt, ob der notwendige Wohnraum noch abgesichert werden kann“. Im Jahr 2025 wurden je 1.000 Privathaushalte nur noch 7,6 WE zum Bau freigegeben, also um 40 Prozent weniger als 2011.

Neben einer zu erwartenden Marktkonsolidierung gab es natürlich noch eine Reihe von anderen Gründen für den rückläufigen Wohnungsneubau: steigende Zinsen und ein höherer Eigenmittel-anteil für private Haushalte bei Fremdfinanzierung, die bereits erwähnte Explosion bei den Bau-preisen sowie zunehmend schrumpfende Baulandreserven, wodurch nicht nur die Verfügbarkeit von Bauland sank, sondern auch die Grundstückspreise signifikant stiegen, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus wurden die Bauverfahren immer komplexer und teurer und ein Gold Plating bei Normen und technischen Bauvorschriften feuert die Baupreise weiter an. „Wir brauchen dringend und zeitnah eine Deregulierung in allen Bereichen“, fordert Kreutzer, „Ansonsten ist nicht ausgeschlossen, dass der Wohnungsmarkt in naher Zukunft kollabiert“. 

Prognose für 2027
BRANCHENRADAR Marktanalyse rechnet für Prognosen immer mehrere Szenarien. Im „Best Case“ steigen die Baugenehmigungen im kommenden Jahr voraussichtlich bei allen Gebäude-typen. Infolge sollte sich die Bauproduktion im kommenden Jahr real auf Vorjahresniveau stabi-lisieren, wobei der Wohnbau und der Tiefbau jeweils um zwei Prozent wachsen und nur noch der Nichtwohnbau weiter erodiert. „Im Jahr 2028 sollte dann aber zumindest der Bauwirtschaft – alles in allem – die Trendwende gelingen“, gibt sich Kreutzer optimistisch, „Die Immobilienbranche wird allerdings noch etwas länger warten müssen. Bei den Wohnungsfertigstellungen sehen wir einen Aufschwung frühestens 2029“.


Weitere Informationen:
Die komplette Pressemappe finden Sie auf unserer Website unter der Rubrik „PRESSE“ Pressekonferenz 27.10.2026
Link: https://www.branchenradar.com/de/presse/pressekonferenz-vom-27102026/

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Die Berechnung wurde mit aller gebotenen Sorgfalt – aber ohne Gewähr – erstellt.